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Prithi

Kavitha

Shiva Kumar

Jeevana Leo Sathyam

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In gewissen Gebieten von Südindien begehen manche hungerleidende Familien immer noch diese barbarische Art von Kindermord. Vor allem Mädchen sind gefährdet, da sie kaum etwas einbringen und es viel kostet, sie zu erziehen. Unsere Umfrage hat zutage gebracht, dass sowohl neugeborene kranke und behinderte Mädchen wie Knaben nach der Geburt vergiftet werden. Das bedeutet einen langsamen, unerträglichen Tod durch Ersticken. Aus moralischen Gründen haben wir uns entschlossen, nicht tiefer in die Einzelheiten zu gehen. Unsere Pflicht ist nicht zu urteilen, sondern zu handeln.

 

Die folgenden Kinder mussten in ein Waisenheim von Bangalore umziehen, um adoptiert zu werden.

 

Jeevana,

Gebohren am 1.1.2003

Sumathi lors du biberon

jeevana (LIFE)

d.o.b:  01.01.03

TIME:

d.o.a: 17.02.2003

TIME. 11 :00 AM

Wight D.o.A.: 2.600

Length : 42 cm

Head C: 32cm

La mère biologique et la soeur jumelle Jeevana, heureuse

 

Jeevena (das Leben) ist eine der beiden Zwillinge mit ihrer biologischen Mutter links auf dem Foto. Es wurde am Tag ihrer Abreise gemacht. Wie Sie feststellen können, leben diese Leute in einer schrecklichen Armut, direkt auf dem Boden. Sie haben vier Töchter und wollten die Zwillinge nicht behalten. Der Vater lebt nicht mit seiner Familie. Er muss in einer anderen Stadt arbeiten.

Das Waisenheim, dem wir dieses Kind für die Adoption anvertraut haben, hat uns telefonisch mitgeteilt, dass das Kind mit dem HIV-Virus infiziert ist. Wir beobachten diese Familie sehr genau und können Ihnen zusichern, dass es zur Zeit sowohl den Eltern wie dem zweiten kleinen Kind gut geht. Jeevena wurde adoptiert, das heisst, dass sowohl sie wie auch ihre Schwester gerettet sind. Jeevena trägt den richtigen Namen, wir wünschen ihr ein langes und glückliches Leben mit liebevollen und aufmerksamen Eltern.

 


Shiva Kumar dans les bras de sa Gr-Maman

 

Shivkumar

geboren am 18. März 2000

 

Dank der Grossmutter ist Shiva Kumar noch am Leben. Eines Morgens, bei Morgendämmerung, kommt eine hübsche Frau ins Zentrum. Sie setzt sich auf den Boden, ihre Füsse schmerzen, weil sie soeben eine Stunde und 30 Minuten gegangen ist. Sie bleibt da, ohne ein Wort zu sprechen, starrt in Richtung Boden.

Plötzlich packt sie aus und erzählt uns in einem Zug, dass sie eine Familie von sieben Kindern hat, davon eine Tochter im Alter von 22 Jahren, die gerade ihren Mann verloren hat. Er starb im Alter von 27 Jahren an Leberkrebs. Sie haben bereits ein Kind und ihre Tochter hat eben noch einen Sohn geboren. Dann erklärte sie, dass sie nicht für ihn aufkommen können, und dass sie dazu gezwungen sind, den Neugeborenen abzugeben oder… „…. wenn sie nicht einverstanden sind, ihn zu nehmen, dann wären wir dazu gezwungen, ihn zu töten!“

Jetzt fängt es wieder an, habe ich gedacht! Diese Umstände erinnern mich an meine Erfahrung mit Jyothy Mary, weshalb ich das Ganze nicht mehr dramatisieren wollte. Trotzdem hat mein Herz angefangen zu schlagen, ich hatte Lust zu schreien, sie zu verprügeln. Ich kriegte keine Luft mehr, und ich brauchte eine gewisse Zeit, bis ich das Gespräch wieder aufnehmen konnte. Vor allem muss man solche Konversationen geheim halten. In einer langen Diskussion haben wir verschiedene Lösungen ins Auge gefasst, um sie davon abzubringen, das Kind abzugeben. Wir haben die Familie auch gebeten, die Schwiegereltern nach ihrer Meinung zu fragen. Sie erhielten von uns eine Woche Zeit zum Nachdenken.

Danach sind sie mit der Antwort der Schwiegereltern zurückgekommen, die noch schlimmer war: „Macht mit ihm was ihr wollt, gibt ihn weg oder tötet ihn“. Wir haben entschieden, ihn in einem Waisenheim in Bangalore unterzubringen. Das Baby ist am 10. April 2000 dorthin gebracht worden. Das hätten wir nicht machen können, wenn es im Dorf geblieben wäre. Diese Familie gehört zur Kaste der SC-Schedule Caste. Sie wohnen in der Nähe des Waldes, wo sie etwas Land zum anpflanzen haben, aber sie haben weder Wasser noch Strom. Die Schule ist mehr als eine Stunde und 30 Minuten zu Fuss entfernt. Trotz des Horrors hatte ich keine Lust, sie im Stich zu lassen. Um etwas Wasser zu haben, mussten sie es aus einem mehr als 800 Meter entfernten Brunnen schöpfen. Wir haben also entschlossen, ihnen die Mittel zu geben, um einen Trinkwasserbrunnen vor dem Haus zu graben.

 

 

Kavitha

Gebohren im 1999

 

Das Bébé auf einer Strasse im Shivajinagar-Viertel in Bangalore gefunden.

 

Dezember 1999: Ich bin in Bangalore. Das Wetter ist schön und die Temperatur ist angenehm. Die Familie Asadulla ist beim Umziehen, und ich helfe ihr dabei. Während die Töchter den Umzugsrickshaw beladen, bleibe ich sitzen und beobachte den Schauplatz einer übervölkerten, zu lauten, sehr schmutzigen Strasse. Gegenüber steht die Polizeistation von Shivajinagar. Mein Auge nimmt jede Einzelheit auf, wie ein Laser, der nichts von der Szene verpassen will. In meinem tiefen Inneren habe ich den Eindruck, dass jemand um Hilfe schreit. Ich schaue mich um, und plötzlich sehe ich eine Frau, die gerade vor mir sitzt. Was für ein Elend, wer ist sie? Was macht sie da? Ich habe Najma die Frage gestellt, vielleicht ist sie ihr bekannt? Sie antwortet andeutungsweise mit einem verärgerten Ausdruck, dass das Leute ohne festen Wohnsitz sind, die stets unterwegs sind, ohne sich irgendwo niederzulassen. Najma sah nicht so aus, als würde sie sich übermässig für diese Sache interessieren. Während wir reden, entdecke ich, dass die Frau etwas unter ihrem Sari versteckte,… aber das ist doch ein Baby? Ein Baby mit einem aufgeblähten Bauch, übervoll von Leere, sein kleines Gesicht ist infolge des vielen Weinens wegen des Hungers ausgebohrt, wie diejenigen, die man auf luxusglasiertem Papier von Kindern aus Biafra sah. Da ich keine vernünftige Antwort bekam, habe ich eine „Meldung“ dem Baby gesendet, (phone free of taxes), den telepathischen Gedanken, Liebe und Hoffnung. Ich habe ihm versprochen, dass wenn es morgen noch da ist, ich etwas unternehmen werde.

 

Wir mussten am nächsten Tag nochmals kommen. Najmas Verzweiflung war meine einzige Sorge um das Kind und die Frau auf dem Gehsteig. Zum Glück waren sie immer noch da. Ich habe Najma gebeten, ihr diesmal ganz deutliche Fragen zu stellen. Die Frau behauptete, sie sei nicht die Mutter des Kindes, sie habe es von einer Drittperson erhalten, die es selber von einer anderen jungen Frau an einem Spitalausgang bekommen habe. Eine unglaubliche Geschichte. Wir haben ihr vorgeschlagen, das Kind dringend in ein Spital in der Nähe des neuen Wohnortes von Najma einzuliefern. Als der Arzt das Kind sah, hat er uns in seinem eigenen Wagen zur Kinderklinik gefahren. Es war ein Mädchen, sie wog nur 2.3 Kilo. Die Frau sagte uns, sie habe dieses Kind seit ungefähr zwei Monaten und habe ihm keinen Namen gegeben. Sie wird also Kavitha heissen.

 

Alle meine Pläne standen auf dem Kopf, aber vor allem auch diejenigen von Najma. Sie wurde beauftragt, jeden Tag die Frau und Kavitha zu besuchen und mir über sie zu berichten. Man musste ein Waisenheim finden, das die Betreuung übernehmen würde. Das Verfahren kam mir zu einfach vor. Die Frau war einverstanden, uns das Kind in Gegenwart der Polizei anzuvertrauen. Das hat uns dazu gezwungen, auf die Polizeistation zu gehen, um den Fall zu melden. Der Polizeibeamte hat uns bekundet, der Fall sei ihnen bekannt, nur hatten sie, wegen fehlenden Mitteln, keine Möglichkeit zu intervenieren. Das Kind habe so oder so keine Überlebenschance.

Als Kavitha wieder gesund war, gingen wir alle zusammen auf die Polizeistation, um diese Angelegenheit zu erledigen. Der Kommissar war offensichtlich verärgert, dass ich mich in diese Sache einmischte und verweigerte uns die Übergabe von Kavitha. Er hat sie in seiner eigenen Einrichtung platziert.

 

Kavitha, sei willkommen im „Dschungel“, das Leben gehört dir, mögen dich alle Engel im Himmel schützen!

 

PS: In meiner gegenwärtigen Tätigkeit hatte ich die Gelegenheit, die Direktorin der Hilfsstelle „Help Line“ von Bangalore kennen zu lernen. Gefundene oder zurückerhaltene Kinder wie Kavitha werden in ein staatliches Waisenheim gebracht, und dann in den verschiedenen Einrichtungen zur Adoption freigegeben.

 


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